Erfahrungsbericht Polizei NRW

Hallo liebe Polizeibewerber und solche, die es noch werden wollen. In diesem Erfahrungsbericht bei der Polizei NRW erzähle ich euch etwas zum PC-Test und dem Wiener Test, welche den ersten Tag des Auswahlverfahrens ergeben, sowie dem Assessment Center.

Weitere Informationen, zu den Vorraussetzungen der jeweiligen Bundesländer, findest du hier!

1.Tag: PC-Test und Wiener Test

PC-Test

Der erste Tag des Auswahlverfahrens findet für alle Bewerber NRWs zentral in Münster statt. Es besteht die Möglichkeit, bereits am Vortag anzureisen, was ich auch dringend empfehle, wenn ihr eine längere Anreise habt. Das Angebot habe ich genutzt und konnte kostenlos beim LAFP Münster vor Ort ein kleines Zimmer beziehen, welches ich mir mit einer Mitstreiterin teilte. Es war recht spartanisch eingerichtet und das Bad mussten wir uns mit dem Nebenzimmer teilen – dafür war es aber sauber und kostenlos. Den Abend haben wir mit weiteren Bewerbern im Aufenthaltsraum verbracht und nutzten die Zeit, um uns noch einmal untereinander auszutauschen. Mahlzeiten kann man gegen kleines Geld in der Kantine zu sich nehmen, dort gibt es eine große Auswahl und es ist auch für jeden etwas dabei.

Der PC-Test

Am nächsten Morgen fanden wir uns um 8:15 Uhr im Aufenthaltsraum ein, wo wir in zwei Gruppen eingeteilt wurden und dann in zwei verschiedenen Räumen unseren PC-Test haben sollten. Beginn war 8:30Uhr, jedoch erhielten wir zunächst genaue Anweisungen für das korrekte Bearbeiten des Tests und die Handhabung des Programms.

Der Test beinhaltet Aufgaben zum Thema Intelligenz/Gedächtnis und zu Rechtschreibung/Zeichensetzung/Grammatik. Vor jedem Aufgabentyp gab es ein paar Übungsaufgaben, man wurde also nicht direkt ins kalte Wasser geworfen. Zur Bearbeitung brauchte man nur die Maus. Inhalte im Intelligenz/Gedächtnis-Teil waren z.B.: Wortanalogien, Figurensequenzen, Flussdiagramme, Schreibweise von Straßennamen, Symbolrechnen, Tatsache oder Meinung, absurde Schlussfolgerungen, Satzteile in die richtige Reihenfolge bringen, Auswertung von Tabellen sowie das Merken und Einprägen von Texten, Fotos und Personensteckbriefen. Im Teil Rechtschreibung/Zeichensetzung/Grammatik erhält man zunächst einen Text, bei dem man die Schreibweise von Wörtern korrigieren muss. Dazu klickt man so lange auf das Wort, welches einem falsch vorkommt, bis die richtige Schreibweise erscheint. Das gleiche Prinzip gilt bei einem weiteren Text, den man allerdings auf Kommasetzung überprüfen muss. Es folgen einzelne Wörter, bei denen man wieder die richtige Schreibweise bestimmen muss. Die nächste Aufgabe fragt ab, ob das Wort zusammen oder getrennt geschrieben wird. Die Reihenfolge der Aufgaben ist gemischt, außerdem hat nicht jeder Kandidat den gleichen Test. Zudem hat man für jede Aufgabe nur eine bestimmte Anzahl an Zeit. Die verbleibende Zeit wird bei manchen Aufgaben eingeblendet, bei manchen nicht.

Der PC-Test dauert in etwa 2 bis 2,5 Stunden. Pausen kann man selbstständig machen, sollte allerdings darauf achten, nicht während einer Aufgabe aufzuhören, bei der die Zeit abläuft.

So viel zum ersten Teil des Tages. Gut vorbereitet hat man auf jeden Fall bessere Karten, denn es ist von großem Vorteil, vorher die Aufgabentypen zu kennen und geübt zu haben. Man geht nicht nur viel entspannter in den Test, sondern braucht weniger Zeit eine Aufgabe zu verstehen bzw. Missverständnisse treten nicht auf.

Nach diesem Test erfolgt noch ein kurzes Formalgespräch, bei dem gefragt wird, ob ihr in ordentlichen wirtschaftlichen Verhältnissen lebt, gepierct oder tätowiert seid sowie ob ihr schon einmal strafrechtlich verfolgt wurdet.

Im Anschluss könnt ihr eine Pause machen, die Länge variiert danach, wie schnell ihr im PC-Test wart. Aber auch für die letzten bleibt noch genug Zeit, um ein Mittagessen einzunehmen.

Anschließend geht es zurück in den Testraum und ihr erfahrt euer Ergebnis, indem jedem Testteilnehmer ein Blatt mit den Punktzahlen ausgehändigt wird. Um zu bestehen, benötigt man in den Kategorien Intelligenz/Gedächtnis und Rechtschreibung jeweils 85 Punkte. Bei uns hatten das 25 von 30 Leuten gemeistert. Für uns 25 ging es dann weiter zum Wiener Test.

Wiener Test

Für den Wiener Test wurden wir alphabetisch sortiert in drei Gruppen eingeteilt, die nacheinander an der Reihe sein würden. Ich gehörte zu Gruppe 2, hatte also noch etwas Zeit, bevor ich zu dem Gebäude laufen musste, in dem der Wiener Test stattfinden sollte. Um ca. 13:40 war ich dann endlich an der Reihe.

Beim Wiener Test ist Konzentration, Reaktion- und Merkfähigkeit gefragt

Beim Wiener Test sitzt man vor einem Bildschirm, hat eine Tastatur mit ganz vielen bunten Knöpfen und Zahlen, Fußpedale sowie Kopfhörer. So komplex wie das jetzt schon klingt, war dann auch der Test. Es gab insgesamt fünf verschiedene Übungen: Eine diente der Aufmerksamkeit, die andere dem Orientierungsvermögen, auch die Konzentration, das Reaktionsvermögen und die Stressbelastbarkeit wurden getestet. Dabei waren Aufgaben wie z.B. möglichst schnell sich sehr ähnlich aussehende Figuren zu unterscheiden oder nach einem Bild, das nur ca. eine Sekunde erscheint, entscheiden, ob darauf Fahrradfahrer oder Ampeln zu sehen waren, an der Reihe. Am schwierigsten war ein 5-minütige Teil, bei dem alle Komponenten gebraucht wurden: Kopfhörer, Knöpfe und Pedale. Erschien z.B. ein heller Ton, so sollte man die graue Taste drücken, bei einem dunklen Ton die schwarze. Wurde links unten ein Pedal eingeblendet, so sollte man das linke Pedal drücken, erschien ein gelber Kreis, so musste man auf die gelbe Taste drücken. Die Abfolgen sind sehr schnell, man kommt ziemlich schnell raus und hängt mit den Reaktionen hinterher. Das waren mit die stressigsten fünf Minuten des Tages, es hieß: Ruhe bewahren. Insgesamt dauert der Test ungefähr 30 Minuten.

Der Test hört sich sehr schwer an, wenn man aber nicht gerade die Reaktionen eines Faultiers hat, oder schlicht einfach zu aufgeregt ist, kann man den Test sehr gut bestehen. Von uns 25 ging es nach dem Wiener Test für 24 weiter mit dem Assessment Center oder dem Arzt. Bewerber, die tätowiert oder gepierct waren, werden meist zunächst zum Polizeiarzt geschickt.

2. Tag: Assessment Center

Das Assessment Center

Anders als der erste Tag, findet das Assessment Center nicht zentral in Münster statt. Je nachdem wo ihr wohnt, schickt man euch nach  Aachen, Bielefeld, Bonn, Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Gelsenkirchen, Hagen, Köln oder Münster. Für mich ging es nach Bonn.

Das Assessment Center prüft euch auf Herz und Nieren: Hier entscheidet sich, wer aufgrund seiner sozialen und kommunikativen Fähigkeiten als Polizist oder Polizistin geeignet ist – und wer nicht. Dementsprechend lässt sich das Assessment Center schwer mit dem PC-Test vergleichen.

Es ging an einem Montagmorgen um 7:30 Uhr los. Wir waren zu dritt und jeder hat zunächst ein Namensschild erhalten, dann begrüßten wir einen Polizisten, der für diesen Tag unser Rollenspieler sein sollte. Im Aufenthaltsraum, in dem wir uns auch immer während der Wartezeiten aufhielten, erläuterte er uns zunächst den Ablauf und gab vor jeder Aufgabe noch ein paar Tipps. Dann begrüßten wir gemeinsam die Prüfungskommission und stellten uns kurz vor. Es ging zurück in den Aufenthaltsraum und auch schon los mit dem ersten Rollenspiel.

Rollenspiel 1

Jeder Bewerber zog aus einem Stapel eine Nummer, die für die unterschiedlichen Konfliktsituationen stand. Ich zog Nummer 6: Der ältere Kollege hatte sich beim letzten Einsatz an einer Unfallstelle mit Schaulustigen unterhalten und ging nicht mehr der Arbeit nach. Es entstand ein vermeidbarer Stau.

Bei dem Rollenspiel ist Teamarbeit wichtig!

Ich war als letztes von uns dreien dran. Ich erhielt eine Karte mit den Infos zu dieser Situation, die ich mir ca. eine Minute lang ansehen konnte. Dann trat ich in den Raum, in dem das Rollenspiel stattfand. Die Prüfungskommission saß etwas abseits an ihren Tischen und der Rollenspieler saß zeitunglesend auf einem Stuhl. Ich setzte mich zu ihm und musste zunächst seine Aufmerksamkeit gewinnen, denn er fand die Zeitung viel interessanter, als mit mir ein ernstes Gespräch zu führen. Wenn man gute Argumente bringt, lässt der Rollenspieler jedoch von der Zeitung ab und hört zu. Die Prüfungskommission ist fast dauerhaft am Schreiben, davon sollte man sich auch bei den drei noch folgenden Aufgaben nicht irritieren lassen. Das Rollenspiel dauert fünf Minuten und die Prüfungskommission bricht es nach dieser Zeitspanne ab. Es ging zurück in den Aufenthaltsraum.

Der Vortrag

Für den Vortrag bekommt man eine 15-minütige Vorbereitungszeit, der Vortrag selbst soll dann fünf Minuten dauern. Zunächst darf man dafür aus zwei Stapeln je eine Karte ziehen und muss sich dann davon für eins der beiden Themen entscheiden. In der Vorbereitungszeit sollte man sich eine gute Struktur mit Einleitung und Fazit überlegen. Zudem muss man themenbezogen auf zwei verschiedene Sichtweisen eingehen. Vier Vorschläge stehen auf dem Blatt, man kann aber auch eine eigene Sichtweise nehmen, die nicht schon vorgeschlagen ist. Das habe ich gemacht und es kam gut bei den Prüfern an. Als Materialien sind lediglich Notizkarten erlaubt, der Vortrag wird stehend gehalten.

Wenn ihr vor die Prüfungskommission tretet, solltet ihr sie kurz begrüßen, euch vorstellen und das Thema sowie euren Inhalt nennen. Gut ist, wenn ihr bei der Begrüßung am Anfang des Tages gut aufgepasst habt und die Prüfer mit Namen begrüßen könnt.

Versucht möglichst frei zu sprechen und die fünf Minuten einzuhalten. Weiter ging es dann mit dem zweiten Rollenspiel.

Rollenspiel 2 (Postkorbübung)

Bei diesem Rollenspiel seid ihr Praktikant in einer Führungsstelle. Eure Aufgabe: Telefonate annehmen, den Terminkalender aktuell halten und Vorgänge in einem Aufgabenheft bearbeiten. Hierfür habt ihr eine 20-minütige Vorbereitungszeit. Man erhält ein Blatt mit der Aufgabenstellung und den wichtigsten Informationen. In der Vorbereitungszeit könnt ihr euch schon einmal überlegen, wie ihr euch am Telefon meldet und auf welche Aufgaben ihr Prioritäten setzen werdet.

Euer Rollenspieler gibt euch, bevor es losgeht, noch letzte Instruktionen. Er spielt auch mehrere Rollen gleichzeitig: Die des erfahrenen Kollegen, der versucht, euch so viele Fragen wie möglich zu beantworten, die ihr als Praktikant natürlich nicht wissen könnt. Und die Rollen der Anrufer, welche verschiedene Fragen, Probleme oder Beschwerden haben. Das Telefon wird übrigens fast ununterbrochen klingeln, es ist also normal, wenn ihr weder im Kalender, noch im Aufgabenheft am Ende nicht besonders viel eingetragen habt.

Das Interview

Das Interview

In diesem Einzelgespräch sind die meisten Punkte zu holen. Es gliedert sich in zwei Teile: Der Selbstvorstellung und dem Fragenkatalog.

Bei der Selbstvorstellung redet ihr frei über euch, eure Familie, Schule/Arbeit, Freizeit und den Grund, warum ihr zur Polizei möchtet. Die Prüfer werden Nachfragen stellen, wenn sie noch etwas wissen möchten.

Beim Fragenkatalog bekommt ihr einen kleinen Ordner, aus dem ihr die Fragen laut vorlest und dann beantwortet. Das sind Fragen wie: Was wäre, wenn du 40 Jahre lang Streifendienst machen müsstest? Was wäre, wenn du für die Arbeit deinen Wohnort wechseln müsstest? Oder: Du wirst bei einer Demo eingesetzt und vertrittst die politische Meinung einer anwesenden Gruppe. Wie verhältst du dich?

Normalerweise dauert das Interview rund 45 Minuten, bei mir waren es jedoch nur 17. Es kann also auch mal wesentlich kürzer sein, je nachdem, ob die Prüfer schon genug erfahren haben und überzeugt sind, oder nicht.

Feedback

Anschließend ging es ins Feedback, bei dem man sich vor den Prüfern kurz zu jeder Aufgabe selbst einschätzen sollte und dann die Meinung der Prüfer dazu erhielt. Zu guter Letzt bekommt man seinen Rangordnungswert (ROW) genannt und erhält ein Kärtchen, auf dem dieser nochmal aufgeschrieben ist.

 

Das war es soweit mit meinem Erfahrungsbericht, an den beiden Tagen habe ich jedenfalls eine Menge Erfahrungen gemacht. Für mich geht es im April mit der ärztlichen Untersuchung weiter. Ich hoffe, ihr habt einen guten Einblick in das Auswahlverfahren erhalten und geht ein wenig entspannter in die Prüfungen. Ich wünsche allen viel Erfolg!

Weitere Erfahrungsberichte findest du hier!


Fange noch heute mit der Vorbereitung an auf www.eignungsauswahlverfahren.de!