Erfahrungsbericht Sachsen-Anhalt

Hallo Mitstreiter,

in meinen folgenden Zeilen möchte ich euch gerne so genau wie möglich über das Auswahlverfahren der Landespolizei Sachsen – Anhalt, LG 1.,2 EA. (ehemals mD) informieren.
(Das EAV für den gD ist in Sachsen – Anhalt mit dem des mD identisch!)

Vorab: Das EAV änderte sich in einigen Punkten bereits für die Einstellung März 2017; einige weitere Änderungen erfolgten für die Einstellung September 2017! An Stellen, welche sich geändert haben, werde ich dies vermerken und an das jetzige EAV anpassen.

Sachsen-Anhalt

Sein erstes Interesse an einer Ausbildung / einem Studium kann man in Sachsen – Anhalt auf 2 Arten bekunden. Entweder man registriert sich innerhalb von 5 min per Online – Bewerbung, oder man sendet sofort eine schriftliche Bewerbung an den Auswahldienst, welche ohne Mappe zu versenden ist. Ich entschied mich für die erstgenannte Methode und bekam bereits am nächsten Morgen eine E-Mail des Auswahldienstes. (WICHTIG: SPAM – Ordner kontrollieren, da erfahrungsgemäß einige Mails dort verschwinden) In dieser Mail bedankte man sich bei mir für mein Interesse und teilte mir mit, das ich alle für die Bewerbung erforderlichen Unterlagen innerhalb von 2 Wochen an den Auswahldienst zu schicken habe. (Änderung: ab Einstellung September 2017 sind es 4 Wochen)

Nach 3 Wochen erhielt ich eine Einladung zum 1. Testtag in Aschersleben per Mail. Diesen Termin musste ich leider verschieben, da ich in dieser Woche meine mündlichen Abschlussprüfungen absolvieren musste. Dies war überhaupt kein Problem.

Man hatte sich bis 7:30 Uhr an der FH Polizei in Aschersleben einzufinden. Es ist genügend Zeit für die Parkplatzsuche einzuplanen, da man das Gelände der FH nicht befahren darf und Parkplätze in unmittelbarer Umgebung eher begrenzt vorhanden sind. Dieser Umstand ist relativ komisch, da der riesige Parkplatz auf der FH fast leer war. Am Eingang begrüßte mich ein Pförtner, welcher mir den Weg zum Gebäude des Auswahldienstes erklärte. Ich war 7:10 Uhr eingetroffen und traf in einem Warteraum auf weitere Bewerber, welche alle männlich waren. Pünktlich 7:30 Uhr wurden wir von einer sehr netten Dame des AD begrüßt, welche die Anwesenheit machte und uns über den Ablauf des heutigen Tages informierte. Interessant war auch, dass verspätete Bewerber selbst 7:50 Uhr noch ohne jeglichen Kommentar sehr freundlich begrüßt wurden. Pünktlich 8:00 Uhr begaben wir uns in das Computerkabinett, welches direkt neben dem Warteraum ist. Auf den Bildschirmen standen unsere Namen, sodass jeder von uns einen zugewiesenen Arbeitsplatz hatte.

Diktat:

Wir wurden kurz über den Ablauf des Diktats informiert.

Das Diktat: ein wichtiger Bestandteil der Prüfung

Anschließend begann eine angenehme Stimme durch Lautsprecher im Raum das Geschriebene vorzulesen. Es mussten insgesamt ca. 50 Wörter eingesetzt werden. Vom Schwierigkeitsgrad war dies als leicht einzustufen: Niveau 7. Klasse! Es ging um ein Verbrechen, welches mit Hilfe von neuen kriminalbiologischen Methoden aufgedeckt werden konnte.Uns wurde erklärt, dass wir direkt im Anschluss an unser Diktat einen Fehlerwert angezeigt bekommen, sowie eine Punktzahl. Diese ist aber nicht mehr von Relevanz, da es keine direkte Punktevergabe mehr gibt. Bei insgesamt ca. 50 Lücken durfte man 28 (!) Fehler machen.
Die Leistung im Diktat wird erst dann von Relevanz, wenn 2 Bewerber im Intelligenz – Struktur – Test die absolut gleiche Punktzahl aufweisen. Ansonsten gilt hier nur bestanden oder eben nicht bestanden. Das ist schon eine hohe Zahl an Fehlern, die eingeräumt wird. Leider durften uns bereits dort die ersten drei Bewerber verlassen… Es gab eine kleine Pause, in der man sich stärken konnte.

Intelligenz – Struktur – Test

Anschließend ging es mit dem Intelligenz – Struktur – Test weiter. Für diesen Test waren insgesamt knapp 3 Stunden eingeplant, wobei die ersten erfahrungsgemäß nach 2 Stunden den Test beendeten.
Wir erhielten ein Heftchen, in dem wir Notizen machen konnten.
Es galt folgende Themen abzuarbeiten:
Mathematik: – Rechenoperationszeichen einsetzen; Ergebnisse schätzen; Zahlenreihen fortsetzen

Sprachliches Verständnis: – Sprichwörtervergleiche ziehen; Richtige Schreibweise von Wörtern

Räumliches Vorstellungsvermögen: – Würfel zusammenklappen; – Figuren zuordnen

Merkvermögen: – Reihenfolge von Gesichtern merken; Figuren merken

Allgemeinwissen: Geschichte; Politik; Sozialkunde; Geographie; Informatik ( insg. ca. 100 Fragen)

Das Heft durfte für den Merkteil nicht verwendet werden. Die Testleitung erwähnte dies mehrfach.

Vom Schwierigkeitsgrad her war der Merkteil als am schwersten einzustufen. Im Gespräch mit Mitbewerbern klang dies ebenfalls so heraus. Beim Allgemeinwissen musste man einige Fragen einfach raten, da man davon vorher noch nie etwas gehört hatte. Dies ist auch nicht schlimm, da man hier sehen möchte, ob ihr euch lange an schwierigen Fragen aufhaltet oder schnell weitermacht und einen kühlen Kopf bewahrt. Alle anderen Gebiete sind mit guter Vorbereitung machbar. 😉
Nach diesem Teil mussten uns leider erneut vier Bewerber verlassen…

Wichtig für alle Bewerber des gD: Sollten bei eurem IST Abweichungen auftreten (d. h., dass ihr in einem Teil deutlich schlechter als in anderen abgeschnitten habt), könnt ihr euer EAV nur noch für den mD fortsetzen. Ihr seid automatisch aus dem EAV für den gD ausgeschieden!

Sporttest

Sporttest

Der Sporttest an der FH Polizei entfällt seit der Einstellung März 2017. Die sportliche Leistungsfähigkeit ist durch das Deutsche Sportabzeichen zu erbringen, welches mindestens in Silber vorzulegen ist und dabei die Kategorien Schnelligkeit und Ausdauer ebenfalls mit mindestens einer Silberleistung abzulegen sind. Das Sportabzeichen darf nicht älter als 1 Jahr sein und musste bis spätestens zum Auswahlgespräch vorliegen. (Änderung: ab Einstellung September 2017 kann das Deutsche Sportabzeichen bis zur Einstellung nachgereicht werden)
Beachte: Die Urkunde reicht nicht aus! Es MUSS die Einzelprüfkarte vollständig und korrekt ausgefüllt mitgeschickt werden.

Zum Schluss des Tages (ca. 13:00 Uhr) erhielten wir unsere schriftlichen Ergebnisse des heutigen Tages, die Personenbögen, die gesundheitliche Selbstauskunft, sowie das Formular zur Vorlage beim Hausarzt. (Änderung: Seit der Einstellung September 2017 sind die beiden letztgenannten Formulare bereits zur Bewerbung mitzuschicken)
Außerdem gab es ein Merkblatt, auf dem alle noch zu erledigenden Punkte aufgeführt waren. Es stand hier auch schon bereits die Woche, in welcher unsere Auswahlgespräche stattfinden sollten. Termine außerhalb dieser Woche waren laut Aussage der Testleitung nicht möglich.

Nach knapp 2,5 Monaten erhielt ich nun die Einladung zum Auswahlgespräch. Diese kam erstmals per Post.
Ich durfte mich am Testtag 12:30 Uhr in Aschersleben einfinden. Es ging wieder in das Gebäude des Auswahldienstes, wo mich eine herbe Überraschung erwartete. Ich begrüßte Bewerber, welche mir berichteten, dass sie seit 7:30 Uhr hier warten. Mir wurde dann also relativ schnell klar, dass hier jeweils ein Schwung 7:30 Uhr und 12:30 Uhr bestellt wird. Dies geht aber aus der Einladung nicht hervor und ist gerade für Bewerber ungünstig, die Fahrer benötigen, welche sich dann die Zeit in Aschersleben vertreiben müssen. Der Tag begann dann auch noch etwas traurig, als ein Bewerber mit einem Kreuzbandriss mit Krücken erschien und nach einem Gespräch mit dem Auswahldienst wieder abreiste. Für ihn war das EAV beendet. Wir wurden wieder begrüßt und nacheinander (wir hatten ja alle genügend Zeit 😉 ) zu einer Dame des Auswahldienstes gerufen. Dort wurden nochmals alle abgegebenen Unterlagen auf Vollständigkeit überprüft und eventuelle Beanstandungen geäußert. Bsp.: Bei einem Bewerber war der Stempel des Sportbundes auf dem Sportabzeichen zu schwach, sodass er die Einzelprüfkarte erneut einreichen musste. Hier scheint man doch sehr streng zu agieren. Aber keine Angst: fehlen Unterlagen, können diese nachgereicht werden, auch wenn man eigentlich genügend Zeit dafür hatte. Ich fragte dann mal freundlich nach, wann ich mit meinem Gespräch rechnen darf. Wie sollte es auch anders sein – ich war der Letzte. Ich ging also gemütlich zur Cafeteria, welche ich eine Sekunde vor Schließung erreichte und mir freundlicherweise noch einen Kaffee kaufen konnte. Neben mir im Warteraum saßen nun Männer und Frauen aller Altersgruppen. Die einen mehr entspannt, die anderen fleißig in ihre Ordner vertieft. Vorweg: Es bringt überhaupt nichts, wenn man sich da eine Vorstellung von sich in den Kopf prügelt oder in der letzen Sekunde die Tagesschauen der vergangenen 4 Wochen schaut… ;D Das musste man da alles erleben.

Gegen 16:00 Uhr war ich dann an der Reihe. Man wurde in einen Raum geführt, in dem sechs Polizeibeamte und eine Frau des Auswahldienstes saßen. Der Gesprächsleiter, in meinem Fall ein Polizeirat der Autobahnpolizei, begrüßte mich und erklärte mir den Ablauf des Gesprächs.
Fragen wie „Warum gerade Sie?; Warum Polizei?; Was würden Sie verändern innerhalb der LaPo Sachsen – Anhalt?; Was würden Sie machen, wenn…?; Wie sind wir aufgebaut?“ folgten.
Nach knapp 20 Minuten war dann auch schon wieder alles vorbei. Es folgten noch 2 Fragen von anderen Beamten im Raum und dann musste man draußen warten. Nach knapp 5 Minuten wurde man erneut hereingerufen und bekam ein Testergebnis in Form einer Urkunde überreicht. Man gratulierte mir zur zweitbesten Leistung an diesem Tage und hoffe, mich bald innerhalb der Polizei begrüßen zu dürfen. Ich bedankte mich und begab mich anschließend geschafft, aber glücklich gegen 17:00 Uhr auf den Heimweg.

Gespräch

Man kann insgesamt im Gespräch 25,00 Punkte erhalten. Mindestpunktzahl sind hier 16,01 Punkte! Für was genau diese Punkte vergeben werden kann man sich auch nochmal direkt im Warteraum auf einem Plakat ansehen.
Diesen Testtag bestanden leider von insgesamt 20 Mitstreitern vier Bewerber nicht.

(Änderung ab Einstellung März 2017 für den gD: Das Gruppengespräch und das Rollenspiel entfallen)

Knapp einen Monat später flatterte die Einladung zum Polizeiarzt nach Magdeburg ins Haus. Die Aussage, dass man bei der Vergabe der Termine auf Wohnortnähe achte, wurde hier nicht eingehalten. So ging es für mich 4:00 Uhr los und einmal quer durchs schöne Sachsen – Anhalt. Plant hier bitte genügend Zeit ein! Gerade in Magdeburg ist es durch unzählige Baustellen, Umleitungen und den frühmorgendlichen Berufsverkehr recht nervenaufreibend…
Am Gelände der Landesbereitschaftspolizei angekommen, ging es dann im Eilverfahren ins Gebäude des ärztlichen Dienstes. Ich durfte einige Belehrungen unterschreiben und Urin abgeben. Anschließend wurde man immer wieder durch Lautsprecher in die verschiedensten Stationen gerufen, welche ich jetzt nach der Reihe auflisten werde…

Blutentnahme, Vermessung, Gewichtskontrolle, Abfrage zum Wohlsein mit einer Schwester
kurze Pause um sich zu stärken, da man ja nüchtern erscheinen muss
Sehtest (Kurz-,Weitsichtigkeit; Blendempfindlichkeit, Rot-Grün Sehen)
Gesichtsfeldmessung
Hörtest
Lungenfunktionstest
Ruhe- EKG
allgemeine ärztliche Untersuchung mit Abfrage der gemachten Angaben im Bogen
Belastungs – EKG
Abschlussgespräch mit dem Polizeiarzt
Dazwischen sind immer ausreichende Pausen um sich zu erholen

Wichtiger Hinweis für das Belastungs – EKG ab Einstellung März 2017!

Durch einen Erlass des Innenministeriums können nunmehr auch Bewerber in den Vorbereitungsdienst eingestellt werden, welche das Belastungs – EKG nicht bestehen!!!
Dies liegt immer im Ermessen des jeweiligen Polizeiarztes. Ihr werdet dann polizeidiensttauglich gesprochen, jedoch wird gegenüber der FH keine Beurteilung eurer körperlichen Leistungsfähigkeit gemacht. Diese Regelung kann natürlich nur dann angewendet werden, wenn ihr knapp scheitert. Wenn ihr bereits in der ersten Belastungsstufe aufgebt, seid ihr weiterhin untauglich.

Wenn man nach einer Woche nichts von dem Polizeiarzt gehört hat, sind auch die Blutwerte in Ordnung und man ist polizeidiensttauglich.

Knapp 4 Wochen später kam dann freudige Post aus Aschersleben – die Einstellungszusage!

Nun muss ich nur noch mein Rettungsschwimmabzeichen in Bronze ablegen. Damit kann man sich aber bis zur Zwischenprüfung Zeit lassen.

Änderung zur Einstellung September 2017:
Das Diktat, der Intelligenz – Struktur – Test sowie das Auswahlgespräch vor der Auswahlkommission finden jetzt an EINEM Tag statt. Für Bewerber, die den 1. Testtag mit sehr guten Ergebnissen abschließen, findet direkt am nächsten Tag die polizeiärztliche Untersuchung statt. Für Ortsfremde besteht die Möglichkeit, für ca. 15 Euro ein Zimmer auf dem Gelände der FH zu mieten. Für diese Bewerber ist also das komplette EAV, welches sich in meinem EAV noch über ein halbes Jahr streckte, innerhalb von 2 Tagen abgeschlossen. Bewerber, die einen schlechteren Punktwert aufweisen, bekommen gesondert zu einem späteren Termin die Einladung für den polizeiärztlichen Dienst. Diese Neuregelung ist im Gegensatz zu anderen Ländern oder der Bundespolizei doch ein sehr großer Vorteil.

Ich hoffe, dass ich euch einen Einblick in das EAV der Landespolizei Sachsen – Anhalt geben konnte. Für den Einstellungstermin 2017 werden 700 Leute eingestellt, 2018 schon 900… Die Chancen stehen also mehr als gut.

Alles gute für eure Eignungsauswahlverfahren wünsche ich euch! Und vielleicht sieht man sich dann ja mal in Uniform! 🙂


Weitere Informationen findet Ihr unter den Infos für den Einstellungstest in Sachsen-Anhalt hier!

Na, hat dieser Bericht euer Interesse geweckt? Bewerbt euch noch heute und startet die Vorbereitung auf www.eignungsauswahlverfahren.de