Erfahrungsbericht Polizei Hamburg III

Bewerbung und Vorbereitung

Im Januar 2017 habe ich mich bei der Polizei Hamburg für den Laufbahnabschnitt II, den gehobenen Dienst, beworben, da es schon seit meiner Schulzeit mein Wunsch war, später einmal zur Kriminalpolizei zu gehen. Im folgenden lest ihr meinen Erfahrungsbericht bei der Polizei Hamburg. Nach beinahe eineinhalb Monaten ungeduldigen Wartens bekam ich dann in der vorletzten Februarwoche endlich einen Brief: Sie sind zum Einstellungstest eingeladen.

Drei Wochen hatte ich nun also Zeit, um meine Kondition für den Sporttest aufzubauen und um für Diktat und den Kognitiven Leistungstest zu üben. Zu meinem Glück hatte eine Freundin von mir beides bereits im Dezember hinter sich gebracht und konnte mir neben ihrem Lernmaterial auch den einen oder anderen Ratschlag geben. Da ich neben dem Reitsport kaum bis gar keine Zeit für andere sportliche Aktivitäten habe – immerhin bin ich 5 bis 7 Mal die Woche hoch zu Ross unterwegs – hatte ich die drei Wochen Training auch bitter nötig.

Wem es ebenso ergehen sollte, weil er nun nicht gerade jeden Tag die 36 Kilometer zur Arbeit joggt, hier nun folgender Tipp:

Fangt langsam an! Versucht in eurem Tempo erst einmal 12 Minuten durchzulaufen. Wer sonst neben Schule, Arbeit oder Ähnlichem nicht besonders viel Zeit für solche Aktivitäten hat, wird sehr schnell merken, dass er spätestens nach neun bis zehn Minuten ein Sauerstoffzelt braucht. Das ist auch überhaupt nicht schlimm, lasst euch davon also nicht runter ziehen. Macht ihr das im Abstand von zwei bis drei Tagen regelmäßig, werdet ihr bereits in der zweiten Woche, also beim dritten oder vierten Mal feststellen, dass ihr in der gesetzten Zeit die geforderte Strecke nahezu problemlos laufen könnt. Und selbst wenn nicht – ihr habt dann immer noch etwas Zeit, um euch nach oben zu verbessern und im Zweifel tut am Prüfungstag das Adrenalin in euren Adern schon sein Übriges.

Der Einstellungstest

Ähnlich gut vorbereitet stand ich dann also am 16.03.2017, gegen 07:10 Uhr vor der Akademie der Polzei. Mit großen Augen ging ich die Auffahrt hoch, suchte nach einem Lageplan und wurde gleich zurückgepfiffen – in dem kleinen Häuschen neben der Auffahrt saßen tatsächlich Menschen und wollten etwas von mir! Während sich hinter mir der Bewerberfluss staute, zeigte ich Personalausweis und Einladungsschreiben vor, welches später, während des Diktats, auch auf dem Tisch zu liegen hatte. Es lohnt sich also, bei Ankunft beides griffbereit zu haben.

Den weiteren Anweisungen und somit der kaum erkennbaren, grauen Linie auf dem Boden folgend gelangte ich mit meinen Mitbewerbern schließlich zur Einstellungsstelle. Nachdem wir unser Eintreffen per Unterschrift bestätigt hatten, durften wir uns erst mal im großen Wartezimmer tummeln, das mit den zahlreichen Magazinen auf den paar zusammengeschobenen großen Tischen in der Mitte doch sehr dem einer Arztpraxis gleicht. Kaum, dass sich die ersten gesetzt hatten, ging auch schon die Tür auf und ein älterer Beamter trat mit Klemmbrett bewaffnet ein. Wer aufgerufen wurde, folgte ihm in einen der Prüfungsräume. Unter anderem auch ich.

Das Diktat

Nachdem wir mit genügend Abstand zu einander an den Tischen Platz genommen hatten, teilte er kurz ein Hinweisblatt zum Diktat aus und sprach es mit uns durch. So würde das 20-minütige Diktat beispielsweise via CD-Player abgespielt werden, da es leichter sei, einer Tonbandaufnahme, als einer echten Stimme zu folgen. Außerdem sei nicht genügend Zeit, anschließend noch etwas zu korrigieren.

 

Wer sich bei einem Wort nicht ganz sicher sei oder aber die betreffende Lücke aus irgendeinem anderen Grund nicht ausfüllen könne, solle die Stelle markieren und nach Abschluss nachfragen. Außerdem seien neben Wasser oder vielleicht einem Stück Traubenzucker, keine weiteren Speisen gestattet. Neben diesem kargen Frühstück mit Stift und unterzeichneter Sporterklärung ausgerüstet, arbeiteten wir uns dann durch die drei Seiten Lückendiktat. Die Aufnahme ist – oder war es zumindest in meinem Fall – klar verständlich und auch vom Tempo her unproblematisch. Man hat natürlich keine Zeit, Löcher ins Papier zu starren, muss jedoch auch nicht von Lücke zu Lücke hetzen.

Nach dem Diktat durften wir mit Sack und Pack wieder im Wartezimmer Platz nehmen. Da in drei verschiedenen Gruppen geschrieben wurde, die Gruppen jedoch je nach Ankunft der Teilnehmer unterschiedlich früh bzw. spät starteten, mussten wir gut eineinhalb Stunden auf unsere Ergebnisse warten. In dieser Zeit wurde, wie auch zu späteren „Sitzungen“ im Warteraum, nahezu jeder, der durch die Tür hereinkam, so sehnsüchtig angesehen wie der Weihnachtsmann. Wer also schon immer mal von einem Raum mit gut 50 bis 60 Leuten mit erwartungsvollem Funkeln angestarrt werden wollte, hier habt ihr eine einmalige Gelegenheit und einen tollen Zeitvertreib. Ansonsten lohnt es sich, die Zeit zu nutzen, um etwas zu frühstücken, mögliche spätere Kollegen oder einfach ein paar nette Leute kennenzulernen.

Es war also etwa halb oder etwa zwanzig vor zehn, als sich die Tür öffnete und diejenigen abgeholt wurden, die es nicht weiter geschafft hatten. Überraschenderweise verringerte sich unser Trüppchen damit gleich auf 35 bis 40 Leute. Der Rest wurde in den alten Gruppen zum Kognitiven Leistungstest abgeholt.

Der kognitive Leistungstest

Diesmal mussten wir uns an die mit unserem Namen versehenen Tische setzen, bevor wir wieder ein paar Hinweise, insbesondere die eindringliche Mahnung, nicht munter hin- und herzublättern, bekamen. Daraufhin teilte der ehemalige Schutzpolizist dann jedem von uns einen Ordner aus, in dem sich der Aufgabenkatalog befand. Beantwortet bzw. gelöst werden sollten diese anschließend auf dem zur jeweiligen Aufgabe ausgeteilten Arbeitsblatt. Die erste Aufgabe war eine Merkaufgabe. Der vorliegende Text über die Jubiläumsfeier einer Firmenchefin, sollte innerhalb von einer 1 Minute gelesen und dabei so viele Informationen wie möglich abgespeichert werden. Nach der vorgegeben Zeit, drehten wir gemeinsam unsere Arbeitsblätter um und beantworteten die zum Text gestellten Fragen, wie beispielsweise die Namen der gratulierenden Angestellten oder wie viele Familienmitglieder zu Feier erschienen waren und welche. Es kamen aber auch Kleinigkeiten, wie der Name des Hotels, in dem gefeiert wurde, und dessen Adresse dran.

Wortanalogien

Danach gab es zwei verschiedene Aufgaben zum Thema Wortanalogien. Hier sollten zuerst ein, später zwei zu einander im Verhältnis stehende Wörter gefunden werden.

Z.B Wind : Tornado wie Wasser : ? a)Welle b) Surfer c) Regen d) Tsunami

In diesem Falle wäre d) die richtige Antwort. In der nächsten Aufgabe wurde es dann etwas kniffliger:

Gramm : ? wie ? : Frühstück

1) Balken 2) Höhe 3) Masse 4) Gewicht     a) Messer b) Tisch c) Teller d) Milch

Hier wäre die richtige Lösung 4. d).

Für diesen Aufgabentyp und fast alle folgenden Aufgaben bekamen wir einen bunten Filzstift ausgeteilt, mit dem wir auf dem Aufgabenblatt einen diagonalen Strich bei der richtigen Antwort setzen sollten. War die Antwort falsch, einen zweiten für ein X und einen neuen bei der richtigen.

Mit der vierten Aufgabe kamen dann die Rechenaufgaben. Zuerst galt es, verschiedene Zahlenreihen, insgesamt ca. 100 Stück, in relativ kurzer Zeit zu vervollständigen. Hierfür gab es extra einen Schmierzettel ausgeteilt, auf dem man kleine Nebenrechnungen machen konnte und die Differenzen zwischen den einzelnen Werten festhalten konnte. Anschließend gab es zwei Aufgaben, in denen die Rechenzeichen ergänzt werden sollten, man also entscheiden sollte, ob es +, -, x oder : braucht, um mit den vorgegebenen Werten auf das gewünschte Ergebnis zu kommen. Wenn man sich die Zeit nimmt, die alten Kopfrechenkünste wieder zu entstauben, ist es gar nicht so schwer. Bei der ersten Aufgabe sollte nur ein, bei der nächsten dann zwei der Zeichen eingesetzt werden. Dies auch wieder durch eine Filzstiftmarkierung auf dem Arbeitszettel. Auch hier gab es insgesamt ca. 150 Aufgaben.

Logisches Denken

Nach den Rechenkünsten, wurde das logische Denken gefordert. Hierzu sollten unterschiedliche Formenreihen vervollständigt werden, bei denen man gerade am Ende nur noch drauf los rät. Wenn die Möglichkeit gegeben ist, sollte man vor allem diesem Teil vorher ausführlich üben, bei den ca. 100 verschiedenen Teilaufgaben packt einen sonst gerne mal die Panik. Danach folgte ein Formenpuzzle. Es gab ca. 10 verschiedene kleine Kästchen, in denen unterschiedliche Formenstücke abgebildet waren. Auf dem Zettel sollte jeder einzelne Kästchensatz dann einer der darüber abgebildeten Figur (Dreieck, Rechteck etc.) zugeordnet werden. Waren die oberen 10 Kästchen schon schwierig, wurden die unteren zehn Kästchen noch gleich ein wenig schwieriger. Wer allerdings ein gutes räumliches Denkvermögen aufweist, sollte hierbei keine Probleme haben. Ansonsten hilft auch hier nur üben, üben, üben.

Merkaufgabe

Auch die letzte Aufgabe war wieder eine Merkaufgabe. Diesmal gab es die Schwarzweißkopie eines Stadtplans, auf der einige Gebäude schwarz markiert waren. Hier gab es wieder 1 Minute Zeit, sich den Stadtplan zu verinnerlichen, bevor man den Ordner schließen und den Arbeitszettel zur Hand nehmen musste. Auf diesem war der Stadtplan ebenfalls als Schwarzweißkopie vorhanden, allerdings waren nun wirklich alle Gebäude von dem gleichen Hellgrau, weshalb es recht schwer viel, die richtigen Gebäude auszuwählen. Als Tipp empfiehlt sich, die Gebäude entweder vorher abzuzählen oder aber gedanklich zu bestimmten Mustern zu verknüpfen. Wenn nach Ablauf alle richtigen Gebäude markiert wurden oder eben auch nicht, musste man den Filzstift wieder abgeben, seine Sachen packen und wieder im Wartezimmer Platz nehmen. Diesmal durfte man das Gelände grundsätzlich verlassen, sich jedoch bis halb zwölf wieder zum Sporttest einfinden.

Tatsächlich warteten wir keine Stunde, sondern fast zwei, bis die Tür aufging und zunächst diejenigen aufgerufen wurden, die es leider nicht weiter geschafft hatten. Der Rest, stolze 19, wurde wenig später zum Sporttest in der Leichtathletikhalle abgeholt.

Der Sporttest

Vor dem ersten Test hatten wir fünf bis sechs Minuten Zeit, um uns aufzuwärmen und gegebenenfalls einmal die ersten zwei Disziplinen auszuprobieren. Wir starteten dann mit dem Wendelauf, hier konnte jeder zwei Durchläufe machen. Sofern man nicht gerade die volle Punktzahl erreicht, empfehle ich das auch dringend, da man bereits durch ein paar Millisekunden mehr bereits deutlich in der Punkteskala nach oben schießen und sich zudem nicht verschlechtern kann. Einer der Teilnehmer zog sich gleich beim ersten Durchgang einen Bänderriss zu und musste dementsprechend ausscheiden. Bereitet euch also gut auf den Sporttest vor – übertreibt es dabei aber auch nicht! Ansonsten lief dieser Teil des Sporttest relativ unproblematisch ab. Der nachfolgende Koordinationslauf war da schon schwieriger!

Die Problematik bestand hauptsächlich im Durchkriechen der Bänke. Fast jeder Teilnehmer, ganz egal ob Männlein oder Weiblein, blieb mindestens einmal an einer der Bänke hängen. Ein ganz besonders chaotisches Exemplar schaffte es sogar, mit dem Durchkriechen der zweiten Bank die Pylone wegzuschieben, bei dem der dritten gut drei bis vier Meter wegzuschleudern und späteren Endspurt noch die Matte hinterherzutreten. Zwar war der Durchlauf trotzdem gültig, aber so ein Master of Desaster verplempert natürlich auch jede Menge kostbare Zeit. Besser ist es daher, wenn ihr bei der Vorbereitung auf den Sporttest gerade diese Disziplin ein paar Mal in einer Turnhalle bei euch in der Nähe übt. Fragt am besten Mal die nächstgelegene Schule. Die sagt in der Regel selten „Nein“. Außerdem sollte man aufgrund des extrem rauhen Hallenbodens besser zu einer langen Hose greifen und die Shorts Zuhause lassen.

Der Cooper-Test

Für den Coopertest wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt und jeder Person ein bestimmtes Leibchen zugeteilt. Wichtig ist es vor allem, das altmodische, schon oft falsch verknotete kleine Ding irgendwie so am Körper anzubringen, dass die Prüfer nachher eure Nummer gut lesen können, ansonsten könnte es Schwierigkeiten geben. Da die Bahn gerade in den Kurven recht steil wird, empfiehlt es sich, zuvor ruhig auf etwas unebeneren Strecken laufen zu gehen. Baut ansonsten auf euren guten Freund Adrenalin. Nach bestandenem Sporttest bestand die Möglichkeit, in den Umkleidekabinen zu Duschen, bringt euch also ruhig etwas mit! Ihr habt genügend Zeit!

Von den Sportlehrern zurück zur Einstellungsstelle begleitet, nahmen wir für eine weitere Dreiviertelstunde im Warteraum Platz, bis wieder diejenigen, die nicht weitergekommen waren und anschließend auch der Rest abgeholt wurde. Ein, zwei Bewerbern wurde mitgeteilt, dass sie sich durch die Leistungen in den ersten beiden Prüfungsteilen leider nur für die Alternative im mittleren Dienst qualifiziert hatten, die restlichen 12 hatten die Prüfungen für den gehobenen Dienst bestanden. Anschließend wurden uns noch unsere Ergebnisse und die wichtigsten Informationen für das Bewerbungsgespräch mitgeteilt. So kann man während des Einstellungstest beispielsweise insgesamt 63 Punkte erreichen, muss jedoch mindestens 30 haben, um weiterzukommen. Die restlichen 27 Punkte kann man dann beim Vorstellungsgespräch erlangen. Doch das, was dort gefordert wird, kann man nicht üben. Man hat es oder man hat es nicht: Den richtigen Charakter.


Du interessierst dich für eine Karriere bei der Polizei? Dann beginne noch heute mit der Vorbereitung auf den Einstellungstest auf www.eignungsauswahlverfahren.de