Der Aufsatz im Polizei Einstellungstest

Zum Polizeidienst gehört im späteren Berufsleben nicht nur die Verbrecherjagd, sondern auch sehr viel Büroarbeit. Protokolle, Zeugenaussagen und Berichte müssen nicht nur aufgenommen, sondern auch niedergeschrieben werden. Es ist also nicht nur wichtig, dass du gut reden kannst, sondern du solltest auch möglichst fehlerfrei schreiben können.

Der Aufsatz ist ein wichtiger Bestandteil des Einstellungsverfahrens.

Aus diesem Grund wird von Bewerbern bei der Polizei erwartet, dass sie mit schriftlichen Texten gut umgehen können. Um dies zu überprüfen, gehört zu vielen Auswahlverfahren auch ein Aufsatz, der in verschiedenen Formen im Eignungstest vorkommen kann. Im Folgenden erfährst du dazu mehr.

Ein Bürger gibt nach einer Straftat eine Anzeige auf oder am Ende des Tages müssen die Ereignisse als Protokoll festgehalten werden – im Polizistenalltag gehört das Schreiben einfach dazu. Dabei solltest du dich zum einen verständlich ausdrücken können und zum anderen möglichst wenig Fehler machen. Ob du die deutsche Sprache wirklich gut beherrschst, lässt sich aus deinen Bewerbungsunterlagen nur bedingt ablesen. Deswegen werden die Deutschkenntnis bei den Auswahlverfahren der Polizei gesondert getestet. Je nach Behörde und Bundesland sieht solch ein Test unterschiedlich aus. Es kann sich beispielsweise um eine Erörterung handeln, aber auch um einen freien Text. Am Ende ist die Form allerdings egal, denn es geht immer um deinen Wortschaft, Rechtschreibung und Grammatik sowie die Fähigkeit, sich gewählt und verständlich auszudrücken.

Aufsatz als Erörterung

Ob ein Aufsatz im Polizei Einstellungstest geschrieben werden muss, hängt stark vom jeweiligen Bundesland ab. In manchen Bundesländern wird ein solcher Text von den Bewerbern gefordert, in anderen überprüft man die Rechtschreibfähigkeiten durch ein Diktat und zusätzlichen Fragen.
Gehört der Aufsatz zum Einstellungsverfahren, dann kann er in verschiedenen Formen auftreten. Vergleichsweise klassisch ist die Erörterung, die wohl bei den meisten Behörden zum Auswahlverfahren gehört. Hier wird den Bewerbern ein Thema gegeben, das es dann mit Argumenten zu erörtern gilt. Im Text sollte man nach der Themennennung eine These aufstellen und anschließend Punkte aufführen und diese näher untersuchen. Neben der Rechtschreibung sind eine schlüssige Argumentationskette und gute Begründungen von Bedeutung. Ganz wichtig: Führe zum Schluss auf jeden Fall nochmal eine ausführliche Lektüre deines Textes durch, bevor Du ihn abgibst. Schusselfehler, die in der Hektik der Zeit entstehen, werden genauso bestraft wie solche, bei denen man es einfach nicht besser weiß. Du solltest also besser noch mal Korrektur lesen.

Bei einer Erörterung haben sich bestimmte Vorgehensweisen bewährt. Idealerweise liegt deine Schulzeit noch nicht so lange zurück und du hast noch die ein oder andere Erörterung im Hinterkopf. Dann weißt du sicher, dass ein Aufsatz aus Einleitung, Hauptteil und Schluss besteht. Bei der Einleitung wird nicht einfach das Thema wiederholt. Vielmehr solltest du beim Leser das Interesse wecken, den Aufsatz zu lesen. Anschließend werden die Argumente gewichtet. Beginne wahlweise mit dem wichtigsten oder unwichtigsten und arbeite dich dann zum schwächsten bzw. stärksten vor. Wähle aber nicht zu viele Argumente, denn es steht nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung. Um Argumente zu finden, könntest du dir beispielsweise Pro und Kontras überlegen – das wäre dann eine dialektische Erörtung. Bei der Bundespolizei wurde laut unserer Facebook Community beispielsweise mal gefragt, ob das Freiwillige Soziale Jahr nach der Schule für jeden Pflicht sein sollte. Aber Achtung: Nicht jedes Thema eignet sich dafür, sondern nur, wenn sich die Frage mit Ja oder Nein beantworten lässt. Schau dir also die Fragestellung genau an. Manchmal geht es nur um Pros, bei anderen Erörterungen sind nur Kontras gefragt. In diesem Fall folgst du nur einer Argumentationslinie und schreibst eine lineare Erörterung. Beginne mit der These, also deiner Meinung. Dann folgt das schwächste Argument und dam Ende das stärkste (drei Argumente sollten in der Regel reichen bzw. sind manchmal auch konkret beziffert). Der Schlussteil fasst den Hauptteil zusammen, festiert die eigene Meinung bzw. bewertet und ende mit einem Fazit.

Eine lineare Erörterung könnte wie folgt aussehen:

Warum ist das Tragen einer Uniform für Polizisten wichtig?

Einleitung [Bezug auf das Thema nehmen]

Polizeibeamte sind Repräsentanten des Staates, den sie gegenüber der Bürger vertreten. Diese erwarten gewisse Dinge von den Polizisten und natürlich auch die Dienststelle selbst. Dazu gehört, dass sie sich immer korrekt verhalten und entsprechend gekleidet sind. So ist es Polizeibeamten in einigen Bundesländern nicht erlaubt, Tattoos offen zu zeigen oder es gibt zumindest Einschränkungen. Wer Dreadlocks trägt oder stark gepierct ist, wird sich für einen anderen Beruf entscheiden oder sein Erscheinungsbild ändern müssen. Ansonsten könnte es passieren, dass man vom Bürger nicht ernstgenommen wird.

[Hauptteil mit Argumentation]

Das Erscheinungsbild von Polizeibeamten ist also sehr wichtig. Schließlich gelten bestimmte gesellschaftliche Normen, die eingehalten werden müssen. Das betrifft auch und vor allem Repräsentanten des Staates. Der Polizeialltag fängt dabei nicht erst mit dem Dienstbeginn an. Schon auf dem Weg zur Arbeit kann es passieren, dass jemand die Hilfe eines Polizisten benötigt. Dabei hilft die Uniform, als solcher erkannt zu werden. Jeder Bürger weiß: Der Polizist ist mein Freund und Helfer. Das gilt selbstverständlich und vor allem auch auf Streife. Polizist sein heißt Vertrauen schaffen und ein korrektes Auftreten inklusive Uniform wirkt da unterstützend.

Als Vertreter des Staates müssen Polizeibeamte mit Respekt behandelt werden. Die Uniform ist eine gute Basis, aber der Polizist selbst muss sich diesen Respekt dennoch verdienen. Ein gepflegtes Äußeres sollte daher ebenso selbstverständlich sein wie ein positives Erscheinungsbild. Sprache, Frisur, Kleidung – der Vertrauensvorschuss muss erarbeitet werden. Eine schmutzige Uniform, ein ungepflegter Bart oder unsachliche Kommentare sind unangebracht und schrecken die Bürger eher ab. Zudem wird ein Täter solch einen Polizisten wohl kaum ernstnehmen.

Unangreifbar zu sein ist oberstes Prinzip. Damit ist nicht nur die Physis gemeint, sondern auch die Integrität des Polizisten. Bei einem korrekten Verhalten und einem gepflegten Erscheinungsbild kann ihm niemand etwas vorwerfen und Konflikte, die durch ein unangemessenes Auftreten dadurch entstehen könnten, werden verhindert. Das gilt für jede Schicht der Bevölkerung – die Erwartungen an einen Polizeibeamten sind immer gleich.

Schluss [Fazit ziehen]

Wer den Beruf eines Polizisten wählt, hat sich im Arbeitsalltag an gewisse Regeln zu halten, die auch das Auftreten gegenüber Bürgern betreffen. Dazu gehört das Tragen einer Uniform. Sie ist absolut notwendig, um als Polizist respektiert und erkannt zu werden. Wer lieber in Jeans und mit Sneakern arbeiten möchte, muss sich einen anderen Job suchen.

Beim Auswahlverfahren der Bundespolizei kommt der Aufsatz nur für den gehobenen Dienst vor, während beim mittleren Dienst ein Diktat auf der Tagesordnung steht. Mit dem Aufsatz will die Bundespolizei auch testen, ob du die anstehenden Klausuren während des Studiums gut bewältigen kannst. Es wird ganz klar erwartet, dass Kenntnisse aktueller Geschehnisse und zeitgeschichtlich bedeutsamer Ereignisse eine ebenso große Rolle bei der Bewertung spielen wie die deutsche Sprache. Bei der Bundespolizei kann die Fragestellung entweder eine dialektische oder eine lineare Erörtung erfordern. In unserer Facebook Community schreibt ein Bewerber, dass man einen Zettel mit drei Themenvorschlägen vorgelegt bekommt und dann auswählen muss. Der Aufsatz wird übrigens danach nicht sofort bewertet, sondern an eine zentrale Stelle weitergeleitet – aber nur, wenn du den Rest des Einstellungstests bestanden hast. Du bekommst in diesem Fall nach einigen Wochen Bescheid über das Ergebnis deines Aufsatzes.

Eine beispielhafte (und sehr einfache, weil plakative) Fragestellung: Warum ist Doping im Sport keine gute Idee? Hier sind also keine Vorteile des Dopings gefragt und du kannst dich voll und ganz darauf konzentrieren, Argumente gegen Doping zu finden und diese zu erörtern. Letzteres ist wichtig, denn das bloße Aufstellen von Thesen ohne Argumente und Begründungen hinterlässt bei der Prüfungskommission keinen guten Eindruck. Bewerte die Aussagen, ziehe Schlussfolgerungen und nenne eventuell Hintergründe, die dich zu dieser Aussage bewogen haben.

Freier Text und Schlüsselwörter

Alternativ zu einer Erörterung kann die Aufsatzaufgabe auch ein freier Text sein. Dabei werden den Bewerbern üblicherweise Themen vorgegeben, die aus dem Alltag, dem aktuellen Geschehen oder der Polizeiarbeit stammen. Zu diesem soll dann Stellung bezogen werden. In der Umsetzung ist es wichtig, dass man nicht einfach drauf losschreibt. Es gilt, eine Struktur zu finden sowie einen roten Faden zu haben. Beides solltest du dir zuvor überlegen, bevor du mit dem Schreiben beginnst. Achte auf Verständlichkeit und logische Schlüsse. Auch sollte man nicht lügen (das lässt sich schlecht argumentieren) oder besonders extreme Meinungen vertreten (Polizisten sind tolerant). Rechne damit, dass du auf die Meinung in deinem Aufsatz bei einem späteren Gespräch im Rahmen des Auswahlverfahrens nochmals angesprochen werden könntest.

In einigen Fällen wird der Aufsatz dadurch erschwert, dass die Bewerber bestimmte Schlüsselwörter einbauen müssen. Dabei ist es nicht erlaubt, die Wörter zu verändern. Plural zählt beispielsweise nicht und bedeutet, dass das Schlüsselwort nicht verwendet wurde. Auch gibt es mitunter noch andere Regeln, wie zum Beispiel, dass keine zwei Schlüsselwörter in einem Satz vorkommen dürfen, die unbedingt eingehalten werden müssen. Andernfalls gilt der Aufsatz nicht als bestanden. Die Prüfungskommission testet durch diese Art von Aufsatz nicht nur deine Deutschkenntnisse, sondern auch deine Kreativität und ob und wie gut du Anweisungen befolgst. Pass aber auch, dass du dennoch einen logischen und sachlichen Text schreibst. Es geht nicht um absurde Ideen und fantasievolle Szenarien. Wichtiger sind flüssige Formulierungen und richtiges Deutsch. Nimm dir zu Beginn etwas Zeit und überlege, wie du die Schlüsselwörter verwenden kannst (nutze Schmierpapier). Überprüfe den Text nach dem Schreiben unbedingt. Hast du alle Regeln eingehalten? Und natürlich wie immer: Sind alle Wörter richtig geschrieben und wurden die Satzzeichen korrekt verwendet?

Sich richtig vorbereiten

Sollte es dir ein einwandfreies Deutsch nicht von Natur aus gegeben sein, hilft nur Üben, Üben, Üben. Aber auch sonst lässt sich eine Aufgabe wie der Aufsatz deutlich einfacher bewältigen, wenn man sich im Vorfeld darauf vorbereitet. Dazu bietet es sich an, ein paar Probetexte zu schreiben. Dies sollte vorzugsweise mit einem Zeitlimit geschehen (maximal 60 Minuten), um die Prüfungssituation zu simulieren. Darüber hinaus ist auch das Lesen von Artikeln in Zeitungen, Zeitschriften und Online-Angeboten eine gute Idee. Solche Texte helfen nicht nur dabei, ein Gefühl für die Sprache zu bekommen, sondern informieren auch. Oftmals wird als Thema für den Aufsatz im Einstellungtest der Polizei aktuelles Zeitgeschehen ausewählt. Wer vor dem Test einige Wochen die Tageszeitung gelesen hat, wird leichter argumentieren können. Aber auch Fragen zu den persönlichen Beweggründen für deine Bewerbung bei der Polizei sind als Aufsatzthema beliebt.

Was auch immer bei deinem Auswahlverfahren drankommt: Das Trainieren der Schreibfähigkeiten ist generell in vielen Fällen von Vorteil. So gehört der Aufsatz nicht nur bei der Polizei zum Auswahlverfahren, sondern findet sich beispielsweise auch bei der Feuerwehr, in journalistischen und wirtschaftlichen Berufen sowie bei der Bundeswehr.

Bedenke auch, dass die besten Deutschkenntnisse und logischsten Argumente keinen Wert haben, wenn die Prüfer deine Schrift nicht lesen können. Der Aufsatz wird nämlich nicht am PC, sondern auf Papier verfasst. In der heutigen Zeit nimmt Handschrift einen immer kleineren Stellenwert ein. Hast du längere Zeit keine Texte mehr mit einem Stift auf Papier geschrieben, solltest du das vor dem Einstellungstest zwingend üben. Achte darauf, dass du leserlich schreibst. Das Üben hilft dir aber nicht nur in dieser Hinsicht, sondern verbessert auch die Schreibgeschwindigkeit, und das kann dir beim Aufsatz viel Zeit bringen, die du sicherlich auch benötigen wirst. Schließlich stehen dir meist nur 45 oder 60 Minuten zur Verfügung.


🌍 Weitere Informationen zu den Voraussetzungen für den Einstellungstest in den jeweiligen Bundesländern findest du hier!

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